Der Pardelluchs (auch iberischer Luchs genannt) gehört zu den faszinierendsten Tieren der Iberischen Halbinsel. Seine Geschichte dokumentiert den massiven Druck des Menschen auf die Natur, ist aber auch ein Erfolgsprojekt des europäischen Artenschutzes.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts betrug der Bestand vermutlich rund 100.000 Tiere. Durch den Verlust geeigneter Lebensräume, den dramatischen Rückgang der Wildkaninchen als wichtigste Beute und die zunehmende Zerschneidung seiner Lebensräume schrumpfte der Bestand des Pardelluchses immer weiter. Anfang der 2000er-Jahre stand die Art unmittelbar vor dem Aussterben. Die Literatur spricht von 62 ausgewachsenen Tieren, die sich noch in freier Wildbahn aufhielten.
Heute ist die Situation eine andere: Intensive Schutzmaßnahmen, Erhaltungszucht, Wiederansiedlungen und der Schutz geeigneter Lebensräume haben dazu geführt, dass sich die Bestände in den vergangenen Jahrzehnten stark erholen konnten. Seit 2024 wird der Pardelluchs auf der Roten Liste nicht mehr als „vom Aussterben bedroht“, sondern als „gefährdet“ geführt. Der Bestand liegt bei rund 3.000 Tieren.
Ein unerwarteter Lebensraum
Meine Reise führte mich nach Andalusien. Kein dichter mitteleuropäischer Wald, sondern mediterrane Buschlandschaften, teils steiniges, felsiges Terrain, offene Flächen, lichte Wälder. Diese abwechslungsreiche Landschaft ist der Lebensraum des Pardelluchses. Besonders wichtig sind dabei ausreichend Deckung und vor allem genügend Wildkaninchen, von denen die Art in hohem Maße abhängig ist.
Hide-Fotografie als Option
Die fotografischen Möglichkeiten entstanden dabei aus einem Hide heraus. Das entspricht nicht unbedingt der Art von Tierfotografie, die ich normalerweise bevorzuge. Ich möchte Tiere möglichst in ihrem natürlichen Verhalten und ohne eine allzu starke Lenkung durch den Menschen erleben. Gleichzeitig gibt es Arten und Situationen, bei denen ein Hide eine sinnvolle Möglichkeit bietet, sich einem Tier anzunähern, ohne es dabei zu stören.
Und beim Pardelluchs kommt für mich noch ein weiterer Aspekt hinzu: Ein Teil der Kosten für diese fotografische Erfahrung fließt direkt in eines der wichtigsten Artenerhaltungsprojekte der Tiere. Damit bleibt von der Begegnung nicht nur eine Reihe von Bildern, sondern auch ein kleiner Beitrag für den Fortbestand dieser außergewöhnlichen Art.
Natürlich wäre es reizvoll, einem Pardelluchs völlig unabhängig von einem Hide zu begegnen. Mit viel Geduld ist das durchaus möglich, allerdings häufig nur aus großer Entfernung. Für die Fotografie bedeutet das eine ganz andere Herausforderung.
Während meines Aufenthalts hatte ich genau zwei Begegnungen mit dem Pardelluchs, und es war beides mal dasselbe Tier: ein wohl zweijähriges Männchen. Jede dieser Begegnungen war dabei ein kleines Stück dieser größeren Geschichte. Eine Geschichte, die vor nicht allzu langer Zeit beinahe den kompletten Verlust der Art bedeutet hätte.
Noch immer ist seine Zukunft nicht selbstverständlich. Straßenverkehr, Lebensraumverlust, die Abhängigkeit von stabilen Kaninchenbeständen und weitere Veränderungen in der mediterranen Landschaft bleiben Herausforderungen für die Art. Schutzmaßnahmen müssen deshalb weitergehen. Damit eine Katze, die uns beinahe verloren gegangen wäre, weiterhin durch die Landschaft Iberiens streifen kann.