Der Wiedehopf gehört für viele Naturfotografen zu den faszinierendsten Vogelarten Europas. Sein auffälliger Federschopf, die kontrastreiche Zeichnung und sein außergewöhnliches Verhalten machen jede Begegnung zu etwas Besonderem. Genau deshalb begeistert die Wiedehopf-Fotografie inzwischen immer mehr Vogelbeobachter und Naturfotografen – auch uns.
Im vergangenen Jahr hatte ich die wunderbare Möglichkeit, Wiedehopfe an ihrer Nisthöhle zu beobachten und zu fotografieren. Ein Erlebnis, das eine Freundin und mich so sehr begeisterte, dass wir den Entschluss fassten: Wir möchten selbst aktiv werden, um dieser außergewöhnlichen Art mehr Lebensraum zu schenken.
Ein Naturschützer mit Herz für den Wiedehopf
Vor einiger Zeit erhielt ich über meine Webseite eine Nachricht von jemandem, der sich für die Entstehungsgeschichte einiger meiner Aufnahmen interessierte. Aus dieser einfachen Anfrage entwickelte sich ein intensiver Austausch über Naturfotografie, Artenschutz – und letztendlich den Wiedehopf.
Es stellte sich heraus, dass hinter der Nachricht mehr steckte: Seit Jahren engagiert sich der Mann, der mich anschrieb, privat für den Wiedehopf in Brandenburg. Über 100 Nistkästen hat er dort installiert. Die meisten davon werden Jahr für Jahr von den markanten Vögeln angenommen.
Still, bescheiden und ohne großes Aufheben verfolgt er dieses Projekt mit beeindruckender Hingabe. Keine Organisation im Hintergrund, keine öffentliche Bühne. Einfach ein ehrlicher Einsatz für eine Vogelart, die vielerorts noch immer selten geworden ist. Durch ihn wurde mir wieder bewusst, wieviel Herzblut und Geduld nötig sind, damit sich solche Populationen in unserer Kulturlandschaft wieder langfristig entwickeln können.
Im vergangenen Jahr durften wir einen seiner Kästen fotografisch begleiten. Stunden voller Spannung, leiser Momente und intensiver Begegnungen mit diesen faszinierenden Tieren. Und so entstand der Wunsch, selbst einen kleinen Beitrag zu leisten.
Unsere eigenen Nistkästen: Von Naturfotografie zu echtem Artenschutz
Wir bestellten von einer kleinen Schreinerei zwei vorgefertigte Kästen. Für eine möglichst natürliche Optik ließen wir Baumstamm-Stücke mit Rinde zusägen, damit sich der Nistkasten harmonisch in die Umgebung einfügt.
Danach begann die Suche nach geeigneten Standorten. Wiedehopfe bevorzugen offene Landschaften, strukturreiche Flächen und ruhige Brutplätze – oft an Waldrändern. Gemeinsam mit unserem erfahrenen Unterstützer fanden wir schließlich passende Orte und installierten zusätzlich eine Wildtierkamera, um mögliche Aktivitäten dokumentieren zu können.
Dann begann das, was jeder kennt, der sich mit Wildlife-Fotografie beschäftigt: Warten.
Die ersten Bilder: Wiedehopfe entdecken unseren Kasten
In den ersten Tagen tat sich wenig. Einige Krähen, gelegentlich ein Reh sowie der Traktor, mit dem der Bauer das Feld bestellte waren auf der Wildtierkamera zu sehen. In den Nachbarrevieren brüteten die ersten Wiedehopfe schon.
Doch mit etwas Verspätung dann die große Überraschung: Wiedehopfe, von der Kamerafalle eingefangen. Vorsichtig aber auch neugierig zeigten sie sich. Ein Pärchen. Und in nur zwei Tagen hatten sie beschlossen: das ist unser Revier. Sie kontrollierten regelmäßig den Kasten, balzten, übergaben sich gegenseitig Futter direkt vor dem Kasten – die typischen, wunderbaren Verhaltensweisen in der Balzzeit. Nur wenig später dann folgten die ersten Fütterungen.
Und so war uns klar: tatsächlich wurde gleich im ersten Jahr einer unserer Kästen angenommen und eine Brut hat begonnen. Ein Gefühl, das sich kaum beschreiben lässt.
Gerade wenn man sich intensiv mit Naturfotografie und Vogelfotografie beschäftigt, entwickelt man eine besondere Verbindung zu solchen Momenten. Zu wissen, dass ein selbst aufgehängter Nistkasten nun möglicherweise jungen Wiedehopfen Schutz bietet, ist emotional kaum in Worte zu fassen.
Wiedehopfe am Kasten: Fotografie mit Rücksicht
Die Fotos in diesem Beitrag begleiten unsere Geschichte und zeigen die Schönheit und Einzigartigkeit des Wiedehopfes aus nächster Nähe. Entstanden sind die Aufnahmen allerdings noch nicht an unserem eigenen Kasten.
Denn trotz aller Begeisterung für die Wiedehopf-Fotografie steht das Wohl für die Tiere für uns an erster Stelle. Besonders während der ersten Brut im neuen Revier möchten wir den Wiedehopfen ausreichend Zeit und Ruhe gewähren, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Daher verzichten wir aktuell erstmal darauf, direkt an unserem eigenen Nistkasten zu fotografieren. Die gezeigten Bilder stammen weiterhin von bereits etablierten Standorten, die erfahren begleitet werden.
Mittelfristig hoffen wir natürlich, die Entwicklung unserer eigenen Kästen ebenso dokumentieren zu können. Wann und wie wir das angehen, überlegen wir noch – immer mit Respekt und Rücksicht auf die Tiere.
Warum der Wiedehopf besonderen Schutz braucht
Der Wiedehopf zählt zu den auffälligsten heimischen Vogelarten. Früher war er weit verbreitet, ist heute in vielen Regionen Deutschlands aber sehr selten. Fehlende Brutplätze, intensive Landwirtschaft und der Verlust charakteristischer Flächen machen es dem Vogel schwer.
Umso wichtiger sind Projekte wie diese, die zusätzliche Nistmöglichkeiten schaffen, Lebensräume erweitern und Menschen für Natur- und Vogelschutz begeistern. Umso größer der Dank daher noch einmal an unseren Unterstützer für seinen unschätzbaren Einsatz.
Vielleicht ist genau das die schönste Verbindung aus Naturfotografie und Artenschutz: nicht nur besondere Bilder mit nach Hause zu bringen, sondern auch selbst einen kleinen Beitrag für die Tiere leisten zu können.
Und manchmal beginnt genau das mit einem einzigen Nistkasten.
2 Antworten auf „Ein Zuhause für den Wiedehopf: Teil 1 – Kastenbau, Location-Suche und rührende Begegnungen“
Moin,
Sehr cool. Mich würde ja mal interessieren ob man überall Nistkästen mit Erfolg aufhängen kann wenn das Habitat passt. Oder muss man wissen das es in der Gegend Wiedehopfe gibt. Würde mich gerne mit dem Menschen mal unterhalten. Könnte mir sollch ein Projekt auch hier in unserer Gegend vosstellen. Vielleicht magst ja mal den Kontakt herstellen.
Auf jeden Fall wünsche ich euch den maximalen Erfolg bel euerem Projekt.
Lg Andreas
Hi Andreas,
ganz lieben Dank dir! Grundsätzlich ist es schon eher so, dass der Wiedehopf sich entlang seiner bestehenden Populationen ausbreitet. Wenn es im Umkreis von 25-50km keine Wiedehopfe gibt, ist es eher schwierig. Die Aussicht auf Erfolg verringert sich damit schon deutlich (was nicht heißt, dass es unmöglich ist, wenn das Habitat stimmt). Die Jungtiere aus den Vorjahren ziehen nämlich meist zuerst wieder an ihre Geburtskästen zurück und schauen sich von dort aus um nach eigenen Brutrevieren. Ein Kasten hier am Rande Berlins hatte mal Erfolg, die Distanz zu weiteren Hopfen betrug rund 25km. Leider wurde der Kasten aber auch nur ein Jahr genutzt, danach nicht wieder.
Viele Grüße
Simon