Mäusebussard Titelbild für Blog Vogelfotografie

Der junge Mäusebussard – vom neugierigen Jungvogel zum selbstständigen Greifvogel

Vogelfotografie: Ein besonderer Einblick in die ersten Schritte ins eigene Leben

Zum ersten Mal seit Jahren gab es in „meinem“ Revier in diesem Jahr wieder eine erfolgreiche Brut des Mäusebussards. Ein Einzelkind schaffte es aus dem Nest, und über einen längeren Zeitraum konnte ich miterleben, wie der junge Greifvogel seinen eigenen Weg ins Erwachsenenleben ging.

Für mich als Vogelfotograf war es eine besondere Gelegenheit, die Entwicklung des jungen Mäusebussards nicht nur fotografisch festzuhalten, sondern sein Verhalten über einen längeren Zeitraum beobachten zu können.

Unbeholfen, neugierig, wenig scheu

Zu Beginn wirkte der junge Bussard noch sehr unbeholfen. Vieles musste er erst lernen: fliegen, landen, die Umgebung einschätzen und vor allem herausfinden, wie man eigentlich an Nahrung kommt.

In dieser Zeit war der junge Mäusebussard wenig scheu und zeigte sich ausgesprochen neugierig. Seine ersten Jagdversuche waren dabei eher einfache Übungskurse. Schmetterlinge, Insekten und Grashüpfer nahm er ins Visier. Immer wieder beobachtete er aufmerksam seine Umgebung, startete plötzlich durch und versuchte, die kleinen Beutetiere zu erwischen. Der Erfolg hielt sich meistens in Grenzen. Aber darum ging es wohl auch gar nicht. Jeder Versuch war eine neue Erfahrung – und seine Ambitionen wurden zunehmend größer.

Manchmal fokussierte er sich auch nur auf herunterhängende Äste. Er flog sie an, griff mit den Krallen danach und schien anschließend seine kleine „Pirsch“ genau zu bewerten. Für mich waren solche Szenen besonders spannend, auch wenn ich keine wirkliche Möglichkeit hat, ein solche spontane Jagd auch fotografisch zu dokumentieren.

Mäusebussard (Common Buzzard) mit ausgebreiteten Flügeln beim Kotabsatz

Vom Grashüpfer zum Eichhörnchen

Mäusebussard (Common Buzzard) im Flug über der freien Landschaft

Mit der Zeit waren ihm die kleinen Insekten offenbar nicht mehr genug. Nun wurden Eichhörnchen und Kaninchen interessant. Dafür setzte er sich auf Baumstümpfe oder andere erhöhte Positionen und wippte mit dem Kopf, offenbar um die Entfernung zu seiner möglichen Beute abzuschätzen. Dann flog er mit Schwung auf das jeweilige Tier zu. Meist blieb auch hier nur der Blick ins Nichts: Die Nager waren ihm stets ein paar Schritte voraus.

Doch mit jedem Versuch wurde deutlich, dass er mutiger und sicherer wurde. Er erkundete seine Umgebung immer weiter, und auch sein Revier schien zunehmend größer zu werden. Nach und nach wurde aus dem tapsigen Grünschnabel ein selbstbewusster junger Greifvogel.

Gerade diese Entwicklung machte die Vogelfotografie für mich bei diesem Mäusebussard so interessant. Es ging nicht darum, nur ein schönes Foto zu machen. Viel spannender war es, sein Verhalten zu beobachten und die einzelnen Schritte seiner Entwicklung mitzuerleben.

Fürsorgliche Eltern: Ein Jungbussard ist selten allein

Komplett auf sich allein gestellt war der junge Mäusebussard zu dieser Zeit noch nicht. Regelmäßig schauten die Eltern vorbei und brachten Futter. Dabei flogen sie gerne auch einmal mit dem Futter vor ihm her und animierten so seine Jagdinstinkte. Rufend und flügelschlagend nahm der Kleine die Aufforderung an.

Es war faszinierend zu sehen, wie die Eltern ihn immer mehr dazu brachten, selbst aktiv zu werden. Noch wurde er versorgt, gleichzeitig lernte er aber Schritt für Schritt, irgendwann ohne ihre Hilfe zurechtzukommen. Ich durfte miterleben, wie aus einem noch unerfahrenen Jungvogel Schritt für Schritt ein eigenständiger Bussard wurde.

Und plötzlich war er weg

Dann kam der Tag, an dem sich alles änderte. Von einem Tag auf den anderen war der junge Mäusebussard verschwunden. Keine Begegnung mehr an den bekannten Ansitzen, kein plötzliches Auftauchen über der Wiese, kein neugieriger Blick aus dem Geäst.

Zuerst war da natürlich ein wenig Enttäuschung. Schließlich hatte ich den jungen Bussard über einige Zeit begleiten und fotografieren können. Aber eigentlich war sein Verschwinden genau das, worauf alles hinausgelaufen war. Er war bereit. Bereit, sein eigenes Leben zu beginnen, sein Revier weiter zu erkunden und selbstständig zu werden.

Mäusebussard (Common Buzzard) beim Sonnenbaden im Gras mit ausgebreiteten Flügeln

Vielleicht werde ich ihn irgendwann wiedersehen. Vielleicht ist er längst weitergezogen und hat irgendwo sein eigenes Revier gefunden. Eines aber steht fest: Nach vielen Jahren durfte hier endlich wieder ein Mäusebussard erfolgreich brüten. Und ich hatte das große Glück, einen kleinen Teil seines Weges beobachten und mit meiner Vogelfotografie fotografisch festhalten zu dürfen.

Der junge Mäusebussard ist inzwischen aufgebrochen, um sein eigenes Leben zu beginnen. Zurück bleiben viele besondere Beobachtungen – und die Hoffnung, dass sich unsere Wege vielleicht eines Tages wieder kreuzen.

Galerie Mäusebussard

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